Haltungsexperiment: Wie wird der Bau angelegt

von | Haltung, Schlossmaus®

2016. Ein Jahr lang habe ich eine Gruppe Wildfangnachzuchten im großen Gehege, liebevoll genannt „Koloss“, beobachtet. Ich war neugierig, ob dieses Experiment auf so großem Raum überhaupt funktioniert und wie sie sich verhalten werden.

Es fing als Paar an und schnell wurde mir klar, die sehe ich nie wieder. 2 Mäuse in dieser großen Unterbringung ist wie die Nadel im Heuhaufen. Also musste ich mir etwas überlegen. 

Bei der Fütterung sah ich, wie die Mäuschen so schnell wie möglich mehrere Körner ins Maul nahmen und schnell wieder verschwanden. (Dies war ein kurzer Moment, den ich zum groben zählen nutzte.)

Dabei fiel auf, dass sie sich selten die Zeit nahmen an der Oberfläche zu fressen und innerhalb kürzester Zeit wurde das Futter in den Bau geschafft. Es sei denn es gab Frischfutter. Dies wurde nicht in die Vorratskammer verschleppt, sondern an der Oberfläche verspeist. 

Es war zu sehen, dass sie ein ordentliches System aus Gängen anlegten, welches im ganzen Jahr immer sehr ähnlich aussah.

Nach 4 Monaten schaute ich mit einem Endoskop hinein und war erstaunt, das die meisten Höhlen eigentlich nur vergrößerte Gänge waren. Lediglich die Schlafplätze waren kleine kugelförmige Höhlen, die Wärmeisolierend konzipiert waren.

Die Vorratskammer war schlauchförmig, wie ein größerer Gang, mit einer Mulde in der sich das Futter durch die Gravitation sammelte. Auffallend im ganzen Jahr war, dass die Vorratskammer immer neben der Aufzuchtskammer lag, was eine schnelle Versorgung der Mutter gewährleistet.

Es gab Aufenthaltsräume wo gekuschelt, diskutiert oder einfach die Umgebung beobachtet wurde. Sie lagen im inneren, sowie direkt am Glas.

Gebuddelt und umgestaltet wurde hauptsächlich an der Oberfläche, aber nie bis in die Tiefe. Die obersten 20cm wurden mehrfach umgegraben, auf der einen Seite aufgeschaufelt und / oder abgeschaufelt. Dadurch wurden die Aufenthaltsräume an der Oberfläche auch mal von rechts nach links verlegt, jedoch blieb die in der Mitte als Beobachtungsposten.

Die Höhlen im inneren, die am häufigsten genutzt wurden, blieben von den Umbauarbeiten jedoch unberührt. So war die Vorratskammer immer auf der linken Seite und über der Aufzuchtskammer und der Familien Schlafplatz war immer im Kern vom Gehege, unter einem dort liegenden Ast, der einen Einsturz verhinderte.

Auch nach dem Einstreuwechsel, wurde das System dem vorherigen wieder sehr ähnlich angelegt. Siehe Foto.

Das Paar blieb nicht lange alleine. Es zeigten sich Jungtiere im Alter von 4-5 Wochen an der Oberfläche, die dann bereits bei der Futtersuche mit halfen. Die Elterntiere zeigten ihnen wie sich eine Maus zu benehmen hat und wie sie Gänge stabil halten. So waren die Kinder später dafür verantwortlich die Gänge zu kontrollieren und ggf. Nachbesserungen vorzunehmen. 

Zum Ende meines Experiments lebte die Gruppe zu acht. Da die Haltung im Kollos aber sehr Umständlich ist und die Kontrolle ihre Grenzen hat, beschloss ich die Gruppe umzusiedeln. Da ich ihnen den Platz nicht vorenthalten wollte, ich aber einen gewissen Überblick behalten wollte, zogen sie ins 3 Meter Gehege.

Ich wollte wissen, wie sie mit einem Wohnungswechsel umgehen und ob sie auf noch mehr Platz zurecht kommen würden. 

Sie nahmen es super an. Auch die Häuser, die sie vorher ja gar nicht gewohnt waren, wurden mit Nestern eingerichtet.

Nach dem Muttermaus jedoch Jungtiere vernachlässigte und schlicht sich selbst überließ, folgte ein Rangordnungskampf unter den Weibchen, weshalb ich Weibchen abtrennen und die restliche Gruppe kleiner setzen musste.

Die kleinere Unterbringung machte sich sofort bemerkbar. Die Gruppe war von der Gruppendynamik wieder näher beieinander, jedoch fehlte ihnen ihre Arbeit, die sie im großen Gehege ausleben konnten.

So haben sie z.B. einen Drahtdeckel innerhalb einer Nacht völlig zerstört. Es wurden einzelne Drähte aus dem Geflecht gezogen und der Deckel völlig verbogen, sodass ich ihn wegschmeißen musste.

Mein Fazit, nach dem Experiment:

Die Systeme im großen Koloss zeigten eine Art Stockwerk System.

Das oberste Stockwerk wird umgebaut.

In der Mitte liegen Aufenthaltsmöglichkeiten.

Erst im untersten Stock die wichtigen Dinge wie Aufzucht- und Schlafbereich, sowie die Vorratskammer.

 

In einer normalen Unterbringung, die üblicherweise 20 – 30 cm Einstreuhöhe hat, ist nur ein einziges Stockwerk möglich, weshalb das ursprüngliche System aus dem Experiment nicht ausgelebt werden kann. Ich sehe diese Form der Haltung aber trotzdem nicht negativ, sondern als eine Art Kompromiss, da eine gewisse Kontrolle Lebensnotwendig ist.

Diese Kontrolle war im großen Kollos nur schwer möglich, da die Mäuse in den unterirdischen Gängen verschwinden und ein Leben – ohne den Menschen – ganz für sich führen.

Gleichzeitig zeigt es aber auch, dass eine gewisse Einstreuhöhe einfach notwendig ist, damit sich Rennmäuse wohlfühlen und ausleben können.

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